Substitution durch niedergelassene Ärzte

Die meisten Opiatabhängigen sind nicht nur an der Drogenabhängigkeit erkrankt, sondern leiden auch an Begleitstörungen. Aufgabe des Arztes ist es, eine psychiatrische sowie eine somatische (HIV, Hepatitis C, Infektionskrankheiten, etc.) Zusatzdiagnose zu stellen. Allgemeinmediziner müssen jedoch ihre Grenzen kennen: wenn komplexe Herausforderungen in Bereichen, in denen der Allgemeinmediziner keine Kenntnisse hat, auftreten, erfolgt eine Überweisung an einen Spezialisten. Wichtig ist, dass der Arzt den Leidensdruck der Opiatabhängigen versteht und akzeptiert, um gut beraten zu können. Der Patient sollte möglichst gesamt betrachtet werden.

Bestandsaufnahme der Drogensucht

Wenn der Patient erstmals in die Ordination kommt, erfolgt eine Bestandsaufnahme: die Dauer des Drogenkonsums und das soziale Umfeld werden analysiert. Oft wird festgestellt, dass kein Abbruch des Drogenkonsums möglich ist (z.B. bei einer langen Drogenkarriere von zwei bis drei Jahren oder wenn der Patient bereits mehrere kalte Entzüge hinter sich hat). Nachdem eine Krisenintervention erfolgt ist und der Patient soweit stabilisiert wurde, werden gemeinsame Ziele vereinbart. Anschließend wird eine Harnuntersuchung durchgeführt und das Substitutionsmittel ausgewählt. Nach der Auswahl erfolgt die Einstellung auf das Substitutionsmittel im Rahmen eines Dosisfindungsverfahren (in dieser Zeit wird ein Einzelrezept ausgestellt). Es folgt die Entscheidung, ob und um wie viel die Dosis reduziert werden kann. Während der Therapie müssen regelmäßige Harnkontrollen durchgeführt werden – dies dient auch zur Überprüfung der Verläßlichkeit des Patienten.

Bestimmungen für Substitutionstherapie

Um medizinische Substitutionsbehandlungen gemäß den gesetzlichen Bestimmungen des Suchtgiftrechts durch zu führen, hat der Arzt (insbesondere Ärzte für Allgemeinmedizin, Fachärzte für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin, sowie Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie) mittels eines Diploms der österreichischen Ärztekammer den Nachweis über den Erwerb ausreichender Kenntnisse und Fertigkeiten zu führen.

Vorraussetzung für den Erwerb des ÖÄK-Diploms Substitutionsbehandlung ist das Absolvieren des Basismoduls Substitutionsbehandlung (mind. 40 Einheiten). Nach Abschluss der Basisweiterbildung ist gesetzlich eine regelmäßige vertiefende Weiterbildung erforderlich (zwei Qualitätszirkel pro Jahr bzw. sechs Qualitätszirkel in drei Jahren).

MR Dr. Rolf Jens

»Allgemeinmediziner müssen ihre Grenzen kennen: wenn komplexe Herausforderungen in Bereichen, in denen der Allgemeinmediziner keine Kenntnisse hat, auftreten, erfolgt eine Überweisung an einen Spezialisten.«

MR Dr. Rolf Jens, niedergelassener Arzt und Vorsitzender der Sektion Ärzte für Allgemeinmedizin, Ärztekammer Wien