Substitutionsmittel

Als Substitutionsmittel eingesetzt werden vor allem Methadon, Morphin retard, Buprenorphin, Heroin und Codein.

In der ersten Therapiephase (die Dauer liegt im Ermessen des Arztes) müssen Substitutionsmedikamente täglich unter Aufsicht eingenommen werden. Im Rahmen einer - über einen längeren Zeitraum überblickbaren - problemlosen Behandlung können Substitutionsmedikamente auch über mehrere Tage im voraus ausgefolgt werden. Dies soll die Eigenverantwortung für die Erkrankung stärken und lässt im Rahmen der Therapie auch überprüfen, ob der Patient fähig ist, sich die Dosierung entsprechend der Verordnung selbständig einzuteilen. Auf eine neuerliche tägliche Ausgabe wird umgestellt, wenn eine Destabilisierung des Patienten erkennbar wird oder seine Fähigkeit zur Selbstkontrolle offensichtlich nicht mehr gegeben ist. Dies erkennt der Arzt im persönlichen Gespräch mit dem Patienten.

Methadon

1965 haben Dole und Nyswander die Therapie Opiatabhängiger mit Methadon vorgeschlagen. Heute ist die Verabreichung von Methadon zur Substitution eine etablierte Therapieform. Das in Österreich verwendete Methadon ist ein Razemat aus L- und R-Methadon und wird vom Patienten in Form einer Zuckertrinklösung täglich in der Apotheke eingenommen. Methadon ist ein bekannter Wirkstoff, nach geltendem Recht aber von der Gesundheitsbehörde nicht in der Indikation für orale Erhaltungstherapie zugelassen.

Vorteile von Methadon sind eine lange Wirkungsdauer und die orale Applizierbarkeit. Methadon gilt aber auch als das Substitutionsmittel mit den meisten Nebenwirkungen. Diese sind Übelkeit und Erbrechen, Gewichtszunahme, starkes Schwitzen, Müdigkeit, Antriebslosigkeit, depressive Verstimmungen und Verstopfung. Teilweise wird auch von einer Zunahme des »Cravings« (= Verlangen, Begierde) gegenüber anderen Substanzen (Alkohol, Benzodiazepine) gesprochen.

Eine Langzeitsubstitution mit Methadon weist oft starke Nebenwirkungen wie starkes Schwitzen, Antriebslosigkeit, Stimmungsschwankungen und Gewichtszunahme auf. Daher wurde nach alternativen Substitutionsmöglichkeiten gesucht.

Morphinhaltige Medikamente (Morphin retard)

Bei Morphin retard handelt es sich um eine spezielle Medikamentenform, bei der der Wirkstoff gleichmäßig über etwa 24 Stunden an den Körper abgegeben wird. Es unterdrückt das Verlangen nach Opioiden. Österreich nimmt beim Einsatz von Morphin retard eine Vorreiterrolle ein. Allein in Wien sind ca. 60 Prozent der Opiatabhängigen, die sich in einem Betreuungsprogramm befinden, auf Morphin retard eingestellt. Erste Anwendungen gehen auf die frühen 90er Jahre zurück.

Die Medikation wird von den Patienten gut vertragen und auch gut akzeptiert. Die in Österreich erhältlichen Formen von Morphin retard werden als Kapsel oder Tablette eingenommen und mit etwas Flüssigkeit geschluckt. Der Einsatz von morphinhaltigen Medikamenten hat sich in der Substitutionstherapie bewährt.

Buprenorphin

Buprenorphin wurde 1978 erstmals von Jasinski in den USA als alternatives Substitutionsmittel in der Behandlung von Opiatabhängigkeit vorgeschlagen. Dabei handelt es sich um einen gemischten Opioid Agonist-Antagonisten (partieller µ-Agonist, k-Antagonist und δ-Antagonist), der ein geringeres Abhängigkeitspotenzial bewirkt. Heroin und die zuvor genannten Opioide sind reine µ-Agonisten. Die Gefahr einer tödlichen Überdosierung ist geringer, selbst wenn PatientInnen, wie es immer wieder vorkommt, die ausgefolgten Tabletten auflösen und intravenös injizieren. Aufgrund der langen Halbwertszeit am Rezeptor ist die klinisch beobachtbare Wirksamkeit von Buprenorphin besonders andauernd, auch wenn seine Plamahalbwertszeit kurz ist. Eine Beurteilung hinsichtlich der Nebenwirkungen kann pauschal nicht gegeben werden, da bei unterschiedlichen Patienten und in unterschiedlichen Situationen immer mit unterschiedlichen Nebenwirkungen gerechnet werden muss: Mitunter treten während einer Behandlung mit Buprenorphin keinerlei Nebenwirkungen auf, doch wird es nicht vertragen bzw. ist die Dosierung nicht ausreichend, kann es zu massiven Nebenwirkungen kommen. Buprenorphin ist in Tablettenform erhältlich und wird sublingual eingenommen. Das bedeutet, dass der Patient warten muss, bis die Tablette sich im Mund aufgelöst hat.

Heroin

Heroin kann zur Substitution verwendet werden, wurde aber bisher nur in der Schweiz, in Holland und in England eingesetzt. In Österreich fehlen politische Rahmenbedingungen für den Einsatz von Heroin.

Codein

Codein ist gut verträglich (ähnlich dem Morphin) aber nur vier Stunden wirksam. Die retardierte Form (Dihydrocodein) wirkt 12 Stunden. Codein kommt unter Experten aber kaum zum Einsatz.

Dr. Albert Syen

»Wenn die Rahmen-bedingungen passen und der Patient vom behandelnden Arzt für stabil eingeschätzt wird, soll eine Mitgabe des Substitutionsmittels möglich sein. Die Eigenverantwortlichkeit - ein Ziel der Drogensubstitution - wird gefördert, eine Rehabilitation (z.B. Erwerbstätigkeit, Kinderbetreuung usw.) ist oft nur durch eine großzügige Mitgabe möglich.«

Dr. Albert Syen, Arzt für Allgemeinmedizin und Facharzt für Neurologie und Psychiatrie