Substitutionsprogramm

Eine Substitutionstherapie wird nur durchgeführt, wenn es sich bei der Drogenabhängigkeit um eine Opiatabhängigkeit handelt. Wenn nicht die Opiatabhängigkeit primär ist, sondern eine andere Substanzabhängigkeit, dann wird nicht substituiert. Ebenso wird normalerweise bei Jugendlichen oder Patienten mit sehr kurzer Drogenkarriere keine Substitution durchgeführt. Zeigt der Patient keinerlei Motivation bzw. ist er nicht bereit sich an Regeln zu halten, wird er nicht in ein Substitutionsprogramm aufgenommen.

Die Substitutionstherapie wird im Regelfall gemeinsam mit einer Drogenberatungsstelle durchgeführt. Sie setzt sich mit den psychosozialen Faktoren der Abhängigkeit auseinander. Denn oft liegt der Drogenabhängigkeit eine psychische Störung (man spricht hier auch von psychiatrischer Komorbidität) zu Grunde. Aus diesem Grund kann ein zu schneller Entzug eher negative Folgen haben, da eine Nichtbehandlung der psychischen Störungen die Rückfallwahrscheinlichkeit erhöht. Zusätzlich hängt die Auswahl des Substitutionsmittels von der Art der psychischen Störung ab (z.B. bei Depressionen wird kein Methadon gegeben, weil Methadon depressive Verstimmungen begünstigen kann).

So funktioniert das Substitutionsprogramm

Ein Suchtkranker wird in das Substitutionsprogramm über eine Drogenambulanz oder einen erfahrenen Arzt aufgenommen. Die Dosis des Substitutionsmittels wird gemeinsam mit dem Patienten individuell festgelegt und erfolgt nach Einschätzung bzw. Aussagen des Patienten. Um in ein Substitutionsprogramm aufgenommen zu werden, müssen Abhängige bestimmte Kriterien erfüllen. Der Patient muss oft einen Behandlungsvertrag unterschreiben, der u.a. auch regelmäßige, kontrollierte ,Harn-Analysen’ vorschreibt. Nur so kann kontrolliert werden, ob der Patient weitere Drogen z.B. Kokain konsumiert. Eine Substitutionstherapie wird für mindestens zwei Jahre empfohlen, um erfolgreich zu sein. Im Laufe der Behandlung wird die Dosis des Substitutionsmittels langsam verringert. Meist bleibt es jedoch bei einer langfristigen Therapie.

Der Patient besucht in etwa 3 bis 4 mal wöchentlich seinen Arzt bzw. die Drogenberatungsstelle. Parallel dazu wird häufig eine Psychotherapie durchgeführt. Existieren zusätzliche Krankheiten, finden die Termine häufiger statt. Eine stationäre Behandlung erfolgt nur bei sehr schlechtem körperlichen Zustand des Patienten. Oft wird die Dosis mehrmals verändert bis der Patient sich wohlfühlt. Eine zu hohe Dosierung führt zu einer starken Beeinträchtigung, während eine zu niedrige Einstellung oder ein für den Drogenkranken ungeeignetes Substitutionsmittel das Verlangen nach Beikonsum anderer Drogen steigern kann. Die Kontrolle während der Therapie erfolgt über Harn-Opiattests, bei denen der Harn auf Spuren von Opiaten untersucht wird.

Ist der Patient nicht in der Lage Regeln einzuhalten, bzw. betreibt er wiederholt starken Missbrauch (wobei die Definition von "stark"  hier genau abzuwägen ist, da Missbrauch als Teil des Krankheitsbildes definiert ist, Anm. d. Red.), kann er aus dem Programm ausgeschlossen werden. Ausführliche Therapiegespräche und ein Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patient haben jedoch den Zweck, die Motivation des Patienten zu steigern. Ziel ist es, den Patienten im Substitutionsprogramm zu halten.

»Wichtig sind die Abklärung, Diagnose, Indikationsstellung und Durchführung der Behandlung in Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten. Substitutionseinrichtungen sollten als Fachzentren verstanden werden, die für schwierige Patienten und spezielle Fragen zur Verfügung stehen.«

Dr. Peter Skriboth, Ärztlicher Leiter des BBZ Dialog, Allgemeinmediziner und Psychotherapeut