
Was ist Substitution?
Substitution ist eine der effektivsten pharmakologischen Therapieformen für Opiatabhängige (Quelle: WHO / UNODC / UNAIDS position paper) und verbessert die Chance auf eine spätere Opiatabstinenz (aus »Suchtmedizin«, Uchtenhagen).
Seit rund 20 Jahren gibt es in Österreich die Substitutionstherapie (oder Drogenersatztherapie bzw. Erhaltungstherapie) als Alternative zur Entzugstherapie. Substitution an sich ist nichts Neues. Der Begriff bedeutet eigentlich, dass körpereigene Substanzen ersetzt werden, wenn der Körper sie nicht mehr herstellen kann. Man versucht, diese Substanzen mit einer adäquaten Dosis und mit einer Substanz, die der körpereigenen so ähnlich wie möglich ist, zu ersetzen.
Neue Therapieform
Drogenabhängigkeit und Erkrankungen im Zusammenhang mit Drogen haben im letzten Jahrzehnt stark zugenommen und führten zu einer Weiterentwicklung im Bereich der Drogentherapie. Stand früher die Abstinenz (Entwöhnung) im Vordergrund des Therapieansatzes bei Opiatabhängigen, so wurde diese nunmehr durch Drogenersatztherapien ergänzt. Die Verabreichung legaler oraler Substitutionsmittel erleichtert den Verzicht auf illegales Heroin.
Ziele der Substitutionstherapie
Bereits sehr früh kam der Gedanke auf, dass ein Drogenersatz bei einer Opiatsucht sinnvoll wäre, da man davon ausgehen musste, dass ein bestimmter Prozentsatz von Suchtkranken nie von den illegalen Drogen wegkommen würde. Ein weiterer Grund war die Ausbreitung von HIV-Infektionen durch den gemeinsamen Gebrauch von Spritzen. Die Substitutionstherapie wurde also auch als Seuchenprophylaxe eingeführt. Die Betroffenen waren unter medizinischer Kontrolle und konnten von den Nadeln weggebracht werden. Dabei konnte dieser Verlauf der Ausbreitung direkt mit der Einführung der Substitutionsbehandlung in Bezug gesetzt werden.»Harm reduction« (Leidensverminderung), Entkriminalisierung, Verminderung der Ansteckung mit HIV und Hepatitis B/C etc. ermöglichen es dem Suchtkranken, eine soziale Basis zu schaffen und sind weitere Ziele der Substitution. Durch die Eingliederung in den Berufsalltag und ein geregeltes Einkommen ist der Substituierte so wieder Teil der Gesellschaft und kann sich nach und nach wieder integrieren.
Körpereigene Opiatproduktion ersetzt
Bei der missbräuchlichen Einnahme von Opiaten wird die körpereigene Opiatproduktion eingestellt. Es kommt zu einer physischen Abhängigkeit. Wird die Zufuhr der Opiate gestoppt, kommt es zu Entzugserscheinungen. Der Körper hat aufgehört, Opiate zu erzeugen. Substitution bedeutet, dass bei einer physischen Abhängigkeit des Körpers weiterhin unter kontrollierten Umständen Opiate zugeführt werden.
Neben Methadon steht heute retardiertes Morphin und seit kurzem auch Buprenorphin als Ersatzmittel in der Substitutionstherapie zur Verfügung.

»Der Vorteil an der Substitutionstherapie ist, dass die Patienten ›greifbar‹ sind. Nach einem Entzug gehen viele verloren, wenn sie wieder draußen sind. Im Rahmen einer langfristigen Substitutionstherapie bleiben wir mit den Patienten in Kontakt.«
OA Dr. Bernhard Lindenbauer, Psychiatrische Abteilung der Landesnervenklinik Wagner Jauregg Linz, Drogenberatungsstelle POINT