Details der neuen „Weiterbildungsverordnung orale Substitution“

Dr. iur. Franz Pietsch ist nationaler Drogenkoordinator die Republik Österreich und ihm ist als Dienststellenleiter auch die Drogenabteilung des Bundesministeriums für Gesundheit zugeordnet. Er ist weiters Vorsitzender der ressortübergreifenden Bundesdrogenkoordination und dem Bundesdrogenforum.

Dr. Franz Pietsch

Für www.drogensubstitution.at geht Drogenkoordinator Franz Pietsch nochmals detailliert auf die wesentlichen Grundsätze der „Weiterbildungsverordnung orale Substitution“, die Umsetzung in der Praxis und die Übergangsregelungen für bereits substituierende Ärzte ein.

Künftig werden nur noch Ärzte zur Substitutionsbehandlung zugelassen, die nachweislich eine Basisausbildung in acht Modulen (insgesamt 40 Stunden, wobei ein Teilbereich auf e-learning-Basis erfolgen kann) und regelmäßig vertiefende Weiterbildung von 18 Stunden innerhalb der folgenden drei Jahre – ähnlich der Notarztausbildung – absolviert haben.

Für Ärzte, die Substitutionstherapie neu anbieten wollen, ist die Situation somit klar geregelt. Aber wie gestaltet sich die Verordnung für bereits substituierende Ärzte?

„Prinzipiell müssen alle Ärzte zur Substitutionsbefugnis in einer regelmäßig aktualisierten Liste der Landessanitätsbehörden eingetragen sein. Dieser Eintrag ist ab 1. März 2007 an die erfolgreiche Absolvierung des Basismoduls gebunden, von der kein Arzt ausgenommen ist, der im Bereich der Substitutionsbehandlung tätig sein will. Die Listung ist  generell ab dem Tag des Eintrags auf drei Jahre befristet und muss bis drei Monate vor seinem Ablauf schriftlich verlängert werden. Die verpflichtende Ausbildung als Befugnis zur Substitution gilt übrigens auch für Fachärzte der Psychiatrie, nicht aber für Spitalsärzte für die Betreuung von Drogenpatienten in Notfällen.

Für bereits länger in der Substitution tätige Ärzte gibt es Übergangsregelungen. Prinzipiell ist das Basismodul Voraussetzung für einen Listeneintrag. Allerdings besteht im Rahmen des Übergangsrechts im Interesse der kontinuierlichen Patientenversorgung die Möglichkeit einer vorläufigen Eintragung in diese Liste für jene Ärzte, die bereits bisher auf dem Gebiet der Substitutionsbehandlung tätig sind und damit über Kenntnisse und Praxiserfahrung auf dem Gebiet der Suchterkrankung verfügen. Sie sind auf diese Weise zur vorläufigen Weiterführung dieser ärztlichen Tätigkeit noch vor Absolvierung des Basismoduls berechtigt.

Dazu wurde ausgehend von der Dauer der Praxiserfahrung ein abgestuftes Übergangsmodell aufgegriffen: Demnach müssen sich Ärzte ohne zumindest sechsmonatige einschlägige Praxiserfahrung ab 1. März 2007 vor Aufnahme einer ärztlichen Tätigkeit im Rahmen der Substitutionsbehandlung der in der Verordnung geregelten Weiterbildung unterziehen.

Hingegen können Ärzte mit zumindest sechsmonatiger einschlägiger Praxiserfahrung zunächst im Rahmen des Übergangsrechts ihre Tätigkeit fortführen und haben – je nach Dauer der einschlägigen Praxis – einen entsprechend längeren Zeitraum zur Absolvierung des Basismoduls zur Verfügung. Voraussetzung ist allerdings: Die zumindest sechsmonatige Praxiserfahrung darf nicht weiter als höchstens ein Jahr zurückliegen – gerechnet vom Zeitpunkt der Eintragung in die Liste.“

Bis wann müssen bereits substituierende Ärzte die Absolvierung der Weiterbildung vorweisen können?

„Auch hier sind die Fristen gestaffelt: Bei Ärzten mit einer einschlägigen Praxiserfahrung von sechs bis 24 Monaten kann die ärztliche Berufsausübung im Rahmen der Substitutionstherapie – vorläufig ohne Nachweis der Absolvierung des Basismoduls – bis längstens zum 31. Dezember 2008 fortgeführt werden. Ab diesem Zeitpunkt ist die Fortführung dieser Tätigkeit nur mehr zulässig, wenn zwischenzeitlich das Basismodul von zumindest 40 Stunden absolviert und der Arzt in die Liste eingetragen wurde.

Für Ärzte mit mehr als zweijähriger Praxiserfahrung in der Substitutionsbehandlung gilt: Sie können ihre Tätigkeit vorläufig ohne Nachweis der Absolvierung des Basismoduls längstens zum 31. Dezember 2009 fortführen. Ab diesem Zeitpunkt ist die Fortführung der Substitutionsbehandlung nur mehr zulässig, wenn zwischenzeitlich das verkürzte Basismodul absolviert und der Arzt in die Liste eingetragen wurde. Auf Grund der bereits umfassenderen und längerfristigen Praxiserfahrung müssen diese substituierenden Ärzte nur mehr zumindest 18 Stunden des Basismoduls absolvieren.“

Viele Ärzte haben bereits im Vorfeld verschiedene Ausbildungen im Rahmen der Substitutionsbehandlung gemacht. Kann man sich derartige früher absolvierte Ausbildungszeiten anrechnen lassen?

„Für alle Ärzte gilt: Nach dem 1. Jänner 2004 absolvierte Ausbildungszeiten aus den bekannten Einrichtungen – beispielsweise im Rahmen einer Suchtausbildung des Anton Proksch-Instituts oder der seit Jahren angebotenen Wiener Drogenqualitätszirkelausbildung – sind auf das Basismodul anrechenbar. Ob und in wie weit eine bereits absolvierte Ausbildung tatsächlich als Anrechnung gültig gemacht werden kann, wird von den Landessanitätsbehörden überprüft.“

Gibt es österreichweit einheitliche Ausbildungsunterlagen?

„Die ‚Weiterbildungsverordnung orale Substitution’ regelt Struktur, Lehrzielkatalog, Organisation und Vermittlung der von der Österreichischen Ärztekammer federführend sicherzustellenden Weiterbildung. Innerhalb dieses Rahmens obliegt die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung der Weiterbildung der Österreichischen Ärztekammer.“

Ab wann wird die Ausbildung angeboten?

„Derzeit sind die Organisation und die inhaltliche Ausgestaltung der Basisausbildung durch die Österreichische Ärztekammer noch nicht abgeschlossen. Längstens bis zum 31. Dezember 2007 muss die Möglichkeit der Absolvierung der Weiterbildung österreichweit sichergestellt werden.“

Darf ein bereits substituierender Arzt in dieser Übergangszeit weiterhin seine Substitutionspatienten behandeln, ohne sich strafbar zu machen?

„Auf der Liste der Landessanitätsbehörden eingetragene Ärzte sind dazu befugt, bis zu den angegebenen Fristen weiterhin in der Substitution tätig zu sein. Voraussetzung ist – wie bereits gesagt – eine zumindest sechsmonatige Praxiserfahrung. Für bereits seit längerem tätige substituierende Ärzte sehe ich auf Grund der großzügigen und auf Dauer der bisherigen Substitutionstätigkeit abstellenden Übergangsregelungen kein Problem, diesen Nachweis zu erbringen. Die meisten sind ohnehin bei den zuständigen Amtsärzten bekannt.“

verfasst am 06.02.2006