Legaler Weg zurück in den Alltag – Persönliche Erfahrungen mit Substitutionstherapie

Otto Grausam war 30 Jahre lang Opiat-abhängig. Eine Substitutionstherapie bei Dr. Kurt Blaas führte ihn aus dem Drogenmilieu in einen geregelten Alltag. Dann schaffte er, was nur wenigen gelingt: anschließend an die Substitution unterzog er sich einem Entzug und ist heute clean. Der knapp 50-jährige Zimmerer und Profiangler bildet sich zum Feintischler fort und führt ein geregeltes Familienleben mit seiner Freundin und seiner achtjährigen Tochter.

Sie haben Schritt für Schritt Ihre Sucht bewältigt. Was war dafür aus heutiger Sicht am wichtigsten?

Eiserner Wille, harte Konsequenz und Eigenverantwortlichkeit. Außerdem hatte und habe ich einen essenziellen Lebensinhalt: meine Tochter Alexandra. Ihre Geburt war der Wendepunkt. Ich wollte einfach mit guter Gesundheit und bei vollem Bewusstsein miterleben, wie sie groß wird. Am 3. Oktober 2005 habe ich – nach knapp acht Jahren Substitution – meine allerletzte Dosis genommen. Seither bin ich clean. Und ich bin mir sicher, dass ich es jetzt bleiben werde.

Wie sind Sie ins Substitutionsprogramm bei Dr. Kurt Blaas gekommen?

Ich hatte schon früher versucht, in ein Drogenersatzprogramm aufgenommen zu werden. Ich wurde aber immer wieder abgelehnt mit dem Argument, ich wäre schon zu tief in der Sucht und hätte zu viele andere Therapien in den Sand gesetzt – ich war etliche Male Patient in der Psychiatrie des Sozialmedizinischen Zentrums Baumgartner Höhe. Eine Freundin hat mir dann von Dr. Kurt Blaas erzählt, der ja auch ein Substitutionsprogramm leitet. Ich hatte ein mulmiges Gefühl und Angst vor neuerlicher Ablehnung. Aber nach einem ausführlichen Erstgespräch hat er mich aufgenommen.

Wie war der Ablauf Ihrer Substitutionstherapie?

Nach dem Erstgespräch mit Dr. Blaas musste ich zur Dosiseinstellung ins Sozialmedizinische Zentrum Baumgartner Höhe. Der zuständige Amtsarzt stellte mir ein Rezept für das Substitutionsmittel aus, nachdem ich ihm die Aufnahmebestätigung ins Substitutionsprogramm vorwies. Die ersten beiden Monate holte ich mir meine tägliche Ration in der Baumgartner Höhe, danach in der Apotheke. Einmal pro Monat war ich bei Dr. Blaas zum Gesundheitscheck und für unser regelmäßiges Gespräch. Ebenfalls monatlich musste ich beim Amtsarzt eine Urinprobe abgeben.

Wie bewältigt man den Alltag neben Substitution oder Entzug?

Wer gut eingestellt ist, kann eigentlich ein ganz normales Leben führen – nur eben mit Substitutionsmittel und ohne Beschaffungskriminalität. Man merkt ein bis zwei Mal am Tag: Hoppla, ich schwitze oder ich habe Heiss-Kalt-Schübe, jetzt muss ich wieder etwas nehmen.

Gezielte Ablenkung und Beschäftigung sind für den Erfolg der Therapie ausschlaggebend. Mir hat vor allem die Auseinandersetzung mit meiner Tochter sehr viel Stärke gegeben. Ich habe sie die ersten Jahre ihres Lebens betreut, während meine Freundin arbeitete. Außerdem absolvierte ich eine Ausbildung zum Feintischler und ging vielen Gelegenheitsjobs nach.

Wenn man die Dosis reduziert wie ich, dann wird es schwieriger. Man ist immer am Limit und spürt ständig gewisse Entzugserscheinungen. Und wenn man bei der Arbeit ist oder unter Stress, ist das nicht so einfach zu bewältigen. In den schlimmsten Entzugsphasen habe ich versucht, mich mit dem Angeln abzulenken. Die Gespräche mit Dr. Blaas waren in dieser Zeit immer sehr wichtig.

Zum Interview mit dem Betreuungsarzt Dr. Kurt Blaas