Interview

Simon Peyer*, 29 Jahre, ist seit über fünf Jahren opiatabhängig. In Kontakt mit Drogen ist er im Alter von 16 Jahren durch die Freunde in der HTL gekommen. Angefangen hat es mit Haschisch, dann sind Speed und Extacy dazugekommen. Zum Schluss ist er bei Heroin gelandet, das er intranasal konsumiert hat. Trotz guter Noten brach er die HTL nach zweieinhalb Jahren ab und begann in Folge eine Lehre zum Mechaniker. Nach einer fünfjährigen Therapie ist Peyer beinahe abstinent. Jetzt ist er als selbstständiger Versicherungsberater tätig und möchte sein Geschäft weiter ausbauen.

* Name von der Redaktion geändert.

Wie sind Sie in Kontakt mit Drogen gekommen?

Durch den Freundeskreis in der Schule. Dort war das immer Gang und Gebe, dass man beim Fortgehen Drogen genommen hat. Da ich nie abgeneigt gegenüber Neuem war, hab ich alles ausprobiert. Das war der Fehler damals. Die Noten haben gepasst, aber dann war irgendwann alles wichtiger als die Schule. Die hab ich dann auch abgebrochen, obwohl ich nicht durchgefallen bin. Das war nicht sehr erfreulich für meinen Vater, der wollte, dass ich die HTL abschließe und die Firma übernehme.

Das heißt, Sie sind über den Freundeskreis zum Heroin gekommen. Wie alt waren Sie damals?

16 oder 17. Beim Fortgehen lernt man dann die Leute kennen.

 

Wie lange haben Sie Opioide konsumiert?

Heroin drei Jahre lang, die restliche Zeit Buprenorphin.

Was war der Grund, dass Sie etwas geändert haben?

Ich wollte noch was erreichen im Leben – eine Möglichkeit hab ich mir eh verbockt, in dem ich die HTL abgebrochen hab. Dann später hab ich eine Mechaniker-Lehre angefangen. Lauter 1er gehabt, wollte dann wieder in die HTL – aber mein Vater sagte, ich soll zuerst was fertig machen. Also hab ich die Lehre fertiggemacht, aber irgendwann war der Punkt da, wo ich keine Perspektiven für mich gesehen habe. Meinem besten Freund ist es immer schlechter gegangen – er hat begonnen Schlaftabletten zu nehmen. Dann hab ich mich von dem Ganzen abgekapselt und bin weg von dem Freundeskreis, weg von den Drogen. Gott sei dank mit Hilfe von Ersatzmitteln, sonst wär es nicht so einfach gegangen.

Und haben Sie allein den Arzt gesucht? Aus eigenem Antrieb heraus?

Ja, zuerst war ich beim Anton Proksch Institut, aber nach einem Rückfall bin ich dann bei Dr. Wudy gelandet, durch Mundpropaganda.

Wie lange sind Sie jetzt in Substitution?

Ewig, sicher schon seit fünf Jahren. Aber ich bin schon ganz runterdosiert. Es geht jetzt in meinem Kopf darum, dass ich ganz aufhöre. Mein Apotheker sagt, dass kann ja gar nicht mehr wirken (lacht). Aber der letzte Schritt ist halt ein Hund. Eine Kopfsache – wirklich brauchen tue ich es nicht mehr. Ja ganz ohne Medikamente – das ist das Ziel noch heuer – weil langsam wird’s schon mühsam.

Inwiefern mühsam?

Jede Woche zum Arzt fahren, um ein Rezept auszustellen, jeden Monat auf die Bezirkshauptmannschaft, jede Woche zur Apotheke. Ist ja nicht so, dass man nix zu tun hat.

Was arbeiten Sie?

Ich bin selbstständiger Versicherungsagent.

Sie können sich die Zeit einteilen?

Ja jetzt schon, früher war es nicht so einfach als Mechaniker. Da ist es zeitweise eng geworden bei der Apotheke. Der nächste Schritt sollte sein, dass ich mal während einer ruhigen Woche schaue, was passiert, wenn ich es weglasse. Es passiert eh nicht viel, wenn ich es weglasse.

Was sind die Wirkungen, wenn Sie es nicht nehmen?

Die körperlichen Nebenwirkungen sind eigentlich schon so gut wie weg. Augenrinnen, müde werden. Früher war es schon gravierend. Da hat man so starke Schmerzen, dass man glaubt, man stirbt.

Also Sie sind quasi auf der kleinstmöglichen Dosis?

Ja, genau.

 

Gab es Schwierigkeiten bei der Dosisreduktion?

Nein.

 

Wie ist das Verhältnis zu dem Apotheker?

Gut. Er ist sehr nett. Außerdem ist die Apotheke weiter weg und das ist gut, wenn man nicht immer auf die Bekannten treffen will. Ist schon mühsam, wenn man hier in der Ordination die ganzen Leute aus der Szene trifft.

Kennen Sie alle Drogenpatienten hier?

Ja, die meisten schon. Teilweise waren die mit mir in die Schule, teilweise sind sie mit meinem älteren Bruder in Schule gegangen.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft?

Seit zwei Jahren bin ich selbstständig und möchte mein Geschäft weiter ausbauen.

Haben Sie eine Botschaft für andere Betroffene?

Nutzt die Chance so lange wir sie noch bekommen um mit ärztlicher Hilfe das Suchtproblem in den Griff zu bekommen.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrer Familie?

Zu meiner Mama und meinen beiden Brüdern sehr gut, zu meinem Vater gut, auch wenn seine Sichtweisen nicht immer nachvollziehen kann.

Danke für das Gespräch und alles Gute für die Zukunft!