Podiumsdiskussion Drogentherapien, Bregenz,
14. November 2007

Drogentherapien – Ein emotionales Thema?
[Zurück zum Artikel]

Dr. med. Herbert Mayrhofer

Ärztlicher Leiter H.I.O.B. – Anlauf- und Beratungsstelle für Drogenabhängige in Feldkirch

»Die Substitutionstherapie der Opiatabhängigkeit ist eine etablierte Behandlungsform, deren Nutzen eindeutig und gut belegt ist, bezogen auf die weltweit verwendeten Ersatzmittel Methadon und Buprenorphin.

Österreich hat mit der 1998 erfolgten Zulassung und im weiteren Verlauf großflächigen Verwendung von morphinhaltigen Medikamenten in der Substitution einen Irrweg beschritten, mit dem es international isoliert geblieben ist. Dies ist einerseits auf die unzureichende wissenschaftliche Absicherung der Behandlungsmethode, andererseits auf eine sich zeigende massive Missbrauchsproblematik zurückzuführen.

Morphinhaltige Präparate zeigen insgesamt keine nachweislichen generellen Vorteile gegenüber der State-of-the-Art-Behandlung mit Methadon und Buprenorphin, während Ausmaß und Folgen der missbräuchlichen Verwendung im Vergleich zu den etablierten Substanzen unverantwortlich hoch sind. Aus diesen Gründen ist eine Zurücknahme der Zulassung von retardierten Morphinen für die Verwendung in der Substitution zu fordern.

Im Gegenzug sollte Österreich die ambulante Drogenbehandlung quantitativ und qualitativ ausbauen, mit Orientierung an positiven Vorbildern wie beispielsweise unserem Nachbarland Schweiz.«

Über die Person

Dr. med. Herbert Mayrhofer ist ärztlicher Leiter der Drogenberatungsstelle H.I.O.B. in Feldkirch und seit elf Jahren in der Drogenarbeit tätig. Einen Arbeitsschwerpunkt bildet das seit drei Jahren im H.I.O.B. betriebene Substitutionsprojekt „Intensive Care Substitution“. Weiters ist Dr. Mayrhofer Mitglied der Sachverständigenkommission zur regionalen Koordination der Substitutionsbehandlung in Vorarlberg.

Mit der stationären Behandlung ist er durch langjährige Bereitschaftsdienste in der Therapiestation Lukasfeld (Stiftung Maria Ebene) in Verbindung. Abgesehen von der Suchtmedizin ist der ausgebildete Allgemeinmediziner als freiberuflicher Arzt, schwerpunktmäßig in der Arbeitsmedizin sowie in der Psychotherapie, tätig.

1960 geboren, ist Dr. Mayrhofer in Oberösterreich aufgewachsen. Seit Beendigung des Medizinstudiums in Wien lebt und arbeitet er in Vorarlberg. Er ist verheiratet und Vater von vier Kindern.