Podiumsdiskussion Drogentherapien, Graz
20. November 2006

Drogentherapien – Ein emotionales Thema?
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Univ.-Prof. Dr. med. Gabriele Fischer

Drogenambulanz, Medizinische Universität Wien

»Erhaltungstherapie mit synthetischen Opioiden in Kombination mit einer begleitenden psychoedukativen Therapie ist heute der Standard in der Behandlung von Substanzabhängigkeit. Diese Behandlungsform kann dem/der PatientIn eine bestmögliche Betreuung auf dem Weg zur langfristigen Substanzfreiheit bieten.

Im Gegensatz zur Detoxifizierungstherapie (Anm. Entzug), wird der/die PatientIn bei der Opioiderhaltungstherapie auf Basis einer schrittweisen Reduktion des verschriebenen Opioids therapiert. Ziele dieser Therapieform sind eine gute Behandlungscompliance und eine möglichst niedrige Rückfallsquote. Die Therapie ist auf eine längere Behandlungsperiode über mehrere Jahre bis hin zu Jahrzehnten ausgerichtet.

Eine längerfristige Behandlung birgt auch Belastungen für die PatientInnen. Schwerer wiegt jedoch häufig die negativ moralisierende Wertung seitens der Gesellschaft, mit der sich SuchtpatientInnen häufig konfrontiert sehen. Abhängigkeit wird gemeinhin als selbst verschuldet betrachtet. Behandlungsträger und die Behandlungsform selbst, d.h. der Einsatz von Opioiden bei Suchtkrankheiten werden aufgrund von mangelndem Wissen bzw. Vorurteilen oft kollektiv stigmatisiert. Unbekannt sind die vielen externen, von den PatientInnen unbeeinflussbaren Faktoren, die genetischen oder psychischen Ursprungs sein können und den verhängnisvollen Übergang vom „freiwilligen“ Konsum in eine Abhängigkeit zudem fördern.«

Univ.-Prof. Dr. med. Gabriele Fischer

Über die Person

Univ.-Prof. Dr. med. Gabriele Fischer ist Leiterin der Drogenambulanz, Suchtforschung und Suchttherapie an der Mezinischen Universität Wien und Fachärztin für Psychiatrie und Neurologie.

Seit 1994 widmet sich Fischer der Suchtforschung. Ihre Forschungsschwerpunkte umfassen die Erhaltungstherapie mit Opioiden, Drogenabhängigkeit in der Schwangerschaft und bei Kindern, AIDS und Drogen, Drogenmissbrauch sowie transkulturelle und interdisziplinäre Studien und Gender-Studien. Fischer verfasste mehr als 150 wissenschaftliche Publikationen und hielt mehr als 400 wissenschaftliche Vorträge.

Prof. Gabriele Fischer ist Gründungsmitglied der Plattform „Frauen für Frauen: Gesundheit im Brennpunkt“, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Österreichischen Gesellschaft ÖQMed für Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement in der Medizin und Mitglied des Obersten Sanitätsrates der Republik Österreich.
Sie ist außerdem Universitätsrätin der Medizinischen Universität Innsbruck, Mitglied der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorstandsmitglied der CPDD (College on Problems of Drug Dependence) sowie der ISAM (International Society of Addictional Medicine).

Prof. Fischer berät das Europaparlament, die WHO und die UNODC (United Nations Office on Drugs and Crime). Knapp zehn Jahre, zwischen 1994 und 2003, war Fischer Mitglied des Arbeitskreises für Gleichbehandlungsfragen der Medizinischen Fakultät der Universität Wien.

Prof. Gabriele Fischer wurde 1960 in Wien geboren und ist Mutter dreier Söhne zwischen 14 und 20 Jahren.