Drogentherapie – Emotionales Thema erfordert neutrale Information
Podiumsdiskussion, 16. Mai 2006

Es diskutierten: Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller, Dr. Hans Haltmayer, Dr. Ekkehard Madlung, Dr. Franz Pietsch, Univ.-Prof. Dr. Alfred Springer

Bundesdrogenkoordinator Pietsch kündigt Unterzeichnung der Verordnung noch diese Woche an.

Wien, 17. Mai 2006 – Rund 30.000 Personen in Österreich sind opiatabhängig. Die öffentliche Diskussion über Opiatabhängigkeit und Therapiemöglichkeiten ist gekennzeichnet durch Mythen, Vorurteile und Informationsbedarf. Die Plattform www.drogensubstitution.at, in Zusammenarbeit mit österreichischen Experten erstellt, bietet umfassende Informationen zu Opiatabhängigkeit, Sucht, Entzug, Substitutionstherapie sowie Drogenpolitik und soll kontinuierlich wachsen. Heute wurde sie im Rahmen einer hochkarätig besetzten Podiumsdiskussion zu dem Thema „Drogentherapie – Ein emotionales Thema?“ erstmals präsentiert.

Drogensucht und ihre Therapien spielen in der öffentlichen Wahrnehmung eine große Rolle. Vorurteile, Mythen und kontroverse Meinungen kennzeichnen die Diskussion. Unter der Leitung von Ronald Barazon diskutierten Prof. Reinhard Haller, Dr. Hans Haltmayer, Dr. Ekkehard Madlung, Dr. Franz Pietsch und Prof. Alfred Springer über Entwicklungen und Ziele in der Therapie von Opiatabhängigen, den aktuellen Informationsstand sowie über den Einfluss von persönlichen Meinungen und Emotionen auf dieses Thema.

Dr. Ekkehard Madlung, leitender Oberarzt der Fachstation für Drogenentzug im psychiatrischen Krankenhaus Tirol, sah „Drogenabhängigkeit als eine Erkrankung, bei der Verlauf, Prognose und therapeutische Möglichkeiten ganz wesentlich von politisch-ideologischen Einflüssen mitbestimmt werden.“ Bundesdrogenkoordinator Dr. Franz Pietsch forderte klare Strukturen für die „Drogensucht als Krankheit der Grenzenlosigkeit“. Er kündigte die Unterzeichnung der Verordnungsnovelle zum Suchtmittelgesetz noch für diese Woche an und sprach sich für eine angemessene Übergangsfrist aus. Prim. Univ.-Prof. Dr. Reinhard Haller, Universitätsinstitut für Suchtforschung am Krankenhaus Maria Ebene und Drogenbeauftragter des Landes Vorarlberg, setzte sich für eine „erhöhte Abgabesicherheit von Substitutionsmitteln“ ein. Dr. Hans Haltmayer, ärztlicher Leiter des Ambulatoriums Ganslwirt hielt fest: „Der Zugang zur Behandlung muss erleichtert, die Behandlungsmöglichkeiten müssen ausgebaut werden.“ „Es ist notwendig, dass möglichst viele opiatabhängige Personen von einer adäquaten Behandlung erreicht werden“, war auch Univ.-Prof. Dr. Alfred Springer, Leiter des Ludwig Boltzmann Institutes für Suchtforschung am Anton Proksch-Institut Wien überzeugt. Einigkeit herrschte darüber, dass die Qualität  der Therapie von Opiatabhängigen erhöht und die Möglichkeit des Missbrauches reduziert werden müssen.

Der Opiatkonsum führt zu einer physischen und psychischen Abhängigkeit und hat gesundheitliche, soziale und rechtliche Konsequenzen. Neben der Entwöhnung und Abstinenz erreichen Mediziner und Therapeuten heute gute Erfolge mit der Substitutionsstherapie. Die ärztlich kontrollierte Verabreichung oraler Substitutionsmittel erleichtert den Verzicht auf illegales Heroin. Mehr als 8.000 Opiatabhängige werden in Österreich derzeit von Ärzten in entsprechenden Therapieprogrammen behandelt.

www.drogensubstitution.at wurde konzipiert als Plattform für Experten und Informationspool für Journalisten und Interessierte. Sie wurde in Zusammenarbeit mit österreichischen Ärzten erstellt und bietet umfassende Informationen zu Opiatabhängigkeit, Grundlagen der Sucht, Entzug, Substitutionstherapie und Drogenpolitik. Die Website wird kontinuierlich aktualisiert und um Experten-Meinungen erweitert.

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Dokumente zum Download:

  • Podium-Speaker 04.rtfTeilnehmer der Podiumsdiskussion: Drogentherapie – Ein emotionales Thema? 16. Mai 200611.3 K
  • Podium-Factsheet 04.rtfFactsheet: Opiatabhängigkeit in Österreich – Therapiemöglichkeiten und gesetzliche Rahmenbedingungen10.0 K
  • Podium-Website 04.rtfDrogentherapie: Emotionales Thema erfordert neutrale Information – Bundesdrogenkoordinator Pietsch kündigt Unterzeichnung der Verordnung noch diese Woche an.11.0 K