Drogentherapie – Emotionales Thema erfordert neutrale Information
Podiumsdiskussion, 16. Mai 2006

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Univ.-Prof. Prim. Dr. Reinhard Haller:

„Die Abgabesicherheit von Substitutionsmitteln muss erhöht werden. Retardierte Morphine nur bei strenger Indikationsstellung."

Zur Person:
Prof. Haller ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie und Psychotherapeut. Er leitet als Chefarzt das Vorarlberger Suchtbehandlungszentrum Maria Ebene, ist Drogenbeauftragter der Vorarlberger Landesregierung und stellvertretender Leiter des Suchtforschungsinstituts der Universität Innsbruck. Als Gerichtspsychiater erstellte er u. a. Gutachten von Jack Unterweger und Franz Fuchs. Prof. Haller ist Präsident der Kriminologischen Gesellschaft.

Dr. Hans Haltmayer:

„Der ‚Missbrauch’ von Arzneimitteln ist ein Symptom der Suchterkrankung. Symptome lassen sich nicht verbieten, aber man kann sie behandeln. Die größte Gefahr für sich und andere stellen unbehandelte Patientinnen und Patienten dar.“

 „Der Zugang zur Behandlung muss leichter werden, die Behandlungsmöglichkeiten müssen ausgebaut werden.“

Zur Person:
Dr. Hans Haltmayer ist ärztlicher Leiter des Ambulatoriums Ganslwirt und des Vereins Wiener Sozialprojekte und seit mehr als 15 Jahren in der Drogenarbeit tätig. Seine Arbeitsschwerpunkte liegen in  Harm- und Risk Reduction, Drogen- und Konsum-assoziierten Erkrankungen und Substitutionsbehandlung. Er ist Vizepräsident und Gründungsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit (ÖGABS) und als niedergelassener Arzt in einer freien ärztlichen und psychotherapeutischen Praxis mit Schwerpunkt Suchterkrankungen in Wien tätig. Dr. Haltmayer ist Allgemeinmediziner, Arzt für psychosoziale, psychosomatische und psychotherapeutische Medizin und Psychotherapeut. Er publizierte eine Reihe von Artikeln, wissenschaftlichen Studien und Buchbeiträgen.

Dr. Ekkehard Madlung:

„Drogenabhängigkeit ist eine Erkrankung, bei der Verlauf, Prognose sowie die therapeutischen Möglichkeiten ganz wesentlich von politisch-ideologischen Einflüssen mitbestimmt werden. Die Suchttherapie hat sich nach wie vor nicht von der – politisch vorgegebenen – Abstinenzfixierung lösen können.“

„Therapieziele, wie die Verbesserung von Gesundheitszustand und Lebensqualität, die bei chronischen Erkrankungen akzeptiert sind, auch wenn sie nicht zu einer vollständigen Heilung führen, gelten in der Behandlung von Suchterkrankungen nicht.“

Zur Person:
Dr. Ekkehard Madlung ist leitender Oberarzt an der Drogenstation im Psychiatrischen Krankenhaus des Landes Tirol, Vorsitzender des Suchtbeirates des Landes Tirol, Konsiliararzt in der Kurzzeittherapiestation „Haus am Seespitz“ (Maurach) sowie bei NEUSTART (Bewährungshilfe). An der Universität Innsbruck absolvierte er nach dem Medizinstudium die Ausbildungen zum Praktischen Arzt sowie zum Facharzt für Psychiatrie und Neurologie mit Schwerpunkt Suchterkrankungen.

Dr. Franz Pietsch:

„Drogensucht als Krankheit der Grenzenlosigkeit braucht klare Strukturen.“

Zur Person:
Dr. Franz Pietsch ist Nationaler Drogenkoordinator der Republik Österreich, Vorsitzender der Bundesdrogenkoordination sowie des Bundesdrogenforums und Vorstandsmitglied der Europäischen Beobachtungsstelle für Drogen und Drogensucht. Er leitet den Bereich III/B (Drogenkoordination und Rechtsfragen im Sektionsbereich) im Bundesministerium für Gesundheit und Frauen und ist stellvertretender Leiter der Sektion III (Gesundheitswesen). Er ist TROIKA-Vertreter Österreichs in der ressort- und pfeilerübergreifenden Ratsarbeitsgruppe der Horizontalen Gruppe Drogen (RAG der HDG), deren Vorsitz er während der österreichischen EU-Präsidentschaft im ersten Halbjahr 2006 innehat. 

Er absolvierte sein Doktoratsstudium der Rechtswissenschaften an der Karl-Franzens-Universität Graz und durchlief die Offiziersausbildung beim Österreichischen Bundesheer.

Univ.-Prof. Dr. Alfred Springer

„Es ist notwendig, dass möglichst viele opiatabhängige Personen von einer adäquaten Behandlung erreicht werden.“

Zur Person:
Prof. Springer ist Facharzt für Psychiatrie und Neurologie, Psychotherapie und Vorsitzender der ÖGABS (Österreichische Gesellschaft für arzneimittelgestützte Behandlung von Suchtkrankheit). Seit 1976 leitet er das Ludwig Boltzmann Institut für Suchtforschung am Anton Proksch-Institut Wien. Er ist Gründungsmitglied der Drogenstation des Anton Proksch-Instituts, seit Beginn an in dieser Einrichtung tätig und damit seit 1970 mit Fragen des Suchtmittelgebrauches und der Suchtmittelabhängigkeit befasst.

Er ist Mitglied des wissenschaftlichen Beirates des ÖBIG (Österreichisches Bundesinstitut für Gesundheitswesen), arbeitet im Drogenbeirat der Gemeinde Wien sowie bei der Erstellung des Wiener Drogenkonzeptes mit. Er ist Vorsitzender der Wiener Sozialprojekte und war 1994 - 1997 in der Europäischen Forschungsinitiative COST A 6 zur Evaluation der Europäischen Drogenpolitik tätig.

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