Europäischer Drogenbericht 2016: Österreich beim Drogenkonsum durchgehend in der vorletzten Kategorie

Österreich befindet sich im europäischen Vergleich beim Drogenkonsum in allen Substanzkategorien in der "unteren Mittelklasse". Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hervor.

Österreich befindet sich im europäischen Vergleich beim Drogenkonsum in allen Substanzkategorien in der "unteren Mittelklasse". Das geht aus dem aktuellen Jahresbericht der Europäischen Drogenbeobachtungsstelle (EMCDDA) hervor. So fällt die Alpenrepublik - wie beispielsweise auch Ungarn - bei den jungen Erwachsenen (15 bis 34 Jahre) in die vorletzte Kategorie mit einem Anteil von 4,1 bis acht Prozent an Personen, die im vergangenen Jahr Cannabis konsumiert haben. In Tschechien, Spanien und Frankreich sind es beispielsweise mehr als zwölf Prozent, in Griechenland unter vier Prozent.

Eine ähnliche Stellung hat Österreich (wie auch Deutschland) beim Kokainkonsum junger Erwachsener mit einem Anteil zwischen 1,1 und zwei Prozent (Konsum innerhalb der vorangegangenen zwölf Monate). Großbritannien und Spanien machen hier Spitzenreiter mit mehr als drei Prozent aus, das Nachbarland Tschechien liegt bei einem Anteil von unter ein Prozent.

Das gleiche gilt für den MDMA-Gebrauch (Ecstasy), bei dem Österreich, wie auch Italien oder Deutschland, ebenfalls in die vorletzte Kategorie (0,6 bis ein Prozent) fällt. Großbritannien und Tschechien liegen mit einem Anteil von 2,5 Prozent von 15- bis 34-Jährigen, welche die Substanz zumindest einmal in den vorangegangenen zwölf Monaten genommen haben, mit an der Spitze, Norwegen mit unter 0,5 Prozent am Ende der Einteilung.

Beim Hochrisiko-Opiatkonsum (vor allem das Injizieren von Heroin) ist Österreich - ähnlich wie Deutschland - in der vorletzten Kategorie mit einem Anteil von Menschen, welche die Droge innerhalb des vorangegangenen Jahres zumindest einmal benutzt haben zwischen 2,51 und fünf Prozent. In Spanien liegt dieser Anteil unter 2,5 Prozent, in Ländern wie Italien, Frankreich und Großbritannien in der obersten Kategorie mit mehr als fünf Prozent.

Das "Alkoholland" Österreich ist damit bei den illegalen Drogen in einer vergleichsweise relativ günstigen Position. 14 Prozent der Österreicher aber trinken in einem problematischen Ausmaß. Männer trinken doppelt so häufig (19 Prozent) in einem problematischen Ausmaß wie Frauen (neun Prozent). Als problematisch bzw. gesundheitsgefährdender Alkoholkonsum werden längerfristig mehr als 60 Gramm reinen Alkohols pro Tag (drei Krügel Bier bzw. drei Viertel Wein) bei Männern oder 40 Gramm reinen Alkohols bei Frauen angesehen.

Zum europäischen Drogenbericht 2016 liegen auch vier Analysen zu Einzelthemen vor. Eine befasst sich mit den Veränderungen am Cannabismarkt. Hier scheint sich beim ehemaligen fast exklusiven Produktionsland Marokko ein Wiederaufschwung zu ergeben. Dort war die Cannabis-Produktion von 3.080 Tonnen im Jahr 2003 auf 760 Tonnen im Jahr 2011 zurückgegangen. Mittlerweile werden dort Hybrid-Hanfpflanzen kultiviert, die drei bis fünf Mal mehr THC-Konzentration aufweisen als traditionelle Sorten.

Beim Kokaintransport gilt der Augenmerk der Behörden zunehmend dem Containertransport auf Schiffen, mit dem sich große Mengen des Suchtgifts völlig unauffällig auf den diversesten Routen nach Europa bringen lassen.

Eine dritte Darstellung befasst sich mit dem Abzweigen von Medikamenten, welche in der Drogensubstitutionstherapie für Opiatabhängige eingesetzt werden. Immerhin befanden sich in Europa im Jahr 2014 bereits 645.000 Patienten in einer solchen Behandlung. Von dem Phänomen eines illegalen Marktes mit den Substitutionsmitteln sind alle verwendeten Substanzen betroffen. Das sind besonders Methadon, Buprenorphin und lang wirksame Opiate. Die Häufigkeit des jeweils betroffenen Medikaments in einem Land hängt offenbar allein davon ab, wie hoch dessen Anteil an den verwendeten Substitutionsmitteln ist. Das schwankt von Staat zu Staat sehr stark.

Eine komplexe Situation ergibt sich beim Zusammentreffen von psychischen Erkrankungen und Drogenabhängigkeit. Ein Großteil der Abhängigen weist zusätzlich noch eine psychiatrische Krankheit auf. Beides gehört am besten gleichzeitig behandelt. Es gibt offenbar das Phänomen, dass Substanzgebrauch (z.B. LSD) den Ausbruch von Psychosen bei vulnerablen Personen fördern kann. Umgekehrt ist ein Teil der Drogenabhängigkeit wohl auch "Selbstbehandlungsversuche" der Betroffenen zurückzuführen.