Opiatgebrauch aus heutiger Sicht und im europäischen Vergleich

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Dr. phil. Sabine Haas
Gesundheit Österreich GmbH, Geschäftsbereich ÖBIG

Opiate haben in Österreich traditionell eine große Bedeutung im Zusammenhang mit problematischem Konsum und Drogenabhängigkeit. Dies gilt weiterhin, allerdings haben sie im Zuge der Verbreiterung des Substanzspektrums und der steigenden Relevanz von aufputschenden Substanzen ihre dominante Rolle verloren. Eine entsprechende Entwicklung ist auch auf europäischer Ebene zu verzeichnen, wo ebenfalls eine Zunahme des polytoxikomanen Konsums und des Konsums von Stimulanzien zu verzeichnen ist, während insbesondere die Inzidenz des Heroinmissbrauchs eher sinkt. Dies trifft allerdings nicht auf jene Länder und Regionen – wie beispielsweise die neuen EU-Mitgliedsländer – zu, die in der Vergangenheit eine geringe Prävalenz von Opiatkonsum und Opiatabhängigkeit hatten und derzeit oft noch eine Zunahme verzeichnen.

Innerhalb der Opiate wurde Heroin als „Leitsubstanz“ in Österreich in den letzten Jahren um andere Opiate – vor allem Morphine – ergänzt bzw. zumindest zeitweise durch diese teilweise ersetzt. Diese Entwicklung unterliegt aber einem stetigen Wandel. Aus anderen europäischen Ländern gibt es wenig Informationen zu Veränderungen hinsichtlich der Art der konsumierten Opiate. Es wurde aber aus einigen Ländern über den Missbrauch der - ebenfalls in der Substitutionsbehandlung eingesetzten – Substanzen Methadon und Buprenorphin berichtet.

Bezüglich der gesundheitlichen Folgen und dabei insbesondere der Überdosierungen und Todesfälle sind die Opiate weiterhin von großer Bedeutung, da sie an fast allen tödlich verlaufenden Intoxikationen beteiligt sind. Dies trifft sowohl für Österreich als auch die anderen europäischen Länder zu. Die Opiate sollten daher trotz der aktuellen Trends, die das Augenmerk verstärkt auf andere Substanz(gruppen) lenken, keinesfalls vernachlässigt werden. Es ist aber sehr wichtig, dabei die starke Verbreitung von polytoxikomanen Gebrauchsmustern zu berücksichtigen und daher die Befassung mit Opiatabhängigkeit in eine umfassende Sichtweise einzubetten.