Informationen zu Gesundheitsrisiken

Die richtige Anwendung von Substitutionsmedikamenten gewährleistet, dass die eingenommene Dosis tatsächlich in den Körper gelangt. Jede andere Art der Anwendung ist gesundheitsschädigend und lebensbedrohlich!

So werden die Präparate, die bei einer Substitutionstherapie in Österreich zum Einsatz kommen, richtig eingenommen:

  • Morphin retard: Die Tabletten bzw. Kapseln müssen als Ganzes geschluckt werden. Der Kapselinhalt kann auch auf einem Löffel unter Aufsicht des Apothekers verabreicht werden. Kapseln bzw. Tabletten dürfen weder zerkaut oder zerkleinert noch aufgelöst werden.
  • Buprenorphin sowie Buprenorphin-Naloxon: Die Tabletten müssen bis zur vollständigen Auflösung unter der Zunge belassen werden (5-10 Minuten).
  • Levomethadon ist eine fertige Trinklösung. Für die Mitgabe sollte im Allgemeinen eine dickflüssigere Zubereitung verordnet werden.
  • Methadon wird von der Apothekerin bzw. vom Apotheker als Trinklösung hergestellt und darf nur als solche geschluckt werden.

Was ist die richtige Dosis?

Wenn keine Entzugserscheinungen auftreten und das Verlangen nach Opiaten unterdrückt wird, ist die Dosis passend. Es ist wichtig, dass PatientInnen ihrer Ärztin bzw. ihrem Arzt ehrlich mitteilen welche Dosis ihre Entzugserscheinungen unterdrückt. Eine Sedierung durch eine zu hohe Dosis ist nicht das Ziel der Behandlung.

Gefahren bei falscher Anwendung

Bei falscher Anwendung von Substitutionsmitteln bestehen Risiken, die Leben gefährden können!

Bei intravenöser Anwendung, d.h. beim Spritzen von aufgelösten Tabletten bzw. von aufgelöstem Kapselinhalt, besteht:

  • die Gefahr einer lebensbedrohlichen Überdosierung;
  • die Gefahr der Übertragung von lebensbedrohlichen Infektionserkrankungen (z.B. Hepatitis B/C, HIV)
  • die Gefahr von Gewebe- und Blutgefäßschädigungen. Die Inhaltsstoffe von Substitutionsmedikamenten können die kleinen Blutgefäße verstopfen und das Gewebe schädigen, sodass es zu dauerhaften schweren Organschäden, z.B. in Lunge und Augen, kommen kann.

Gewöhnung an das Substitutionsmittel

Bei allen Opioiden steigt bei regelmäßiger Einnahme in der Substitutionstherapie die Empfindlichkeitsschwelle gegenüber der Substanz an. Um konstant eine gleiche Wirkung zu erzielen, wird eine höhere Dosis als zu Beginn benötigt. Eine solche Dosis ist für Nichtgewöhnte und Entwöhnte häufig schon beim ersten Gebrauch tödlich! Probieren ist lebensgefährlich!

Entwöhnung vom Substitutionsmittel

Nach Unterbrechung der Substitutionsbehandlung bzw. einer Entzugstherapie geht die Toleranz innerhalb weniger Tage verloren. Das ist höchst gefährlich, da die vor der Unterbrechung vertragene Dosis nun tödlich sein kann. Die frühere Tagesdosis darf nie unverändert nach einem körperlichen Entzug konsumiert werden. Das gilt auch für Rückfälle nach einer Entwöhnung, selbst bei langjähriger Abhängigkeit. Eine Entwöhnung darf nur unter ärztlicher Kontrolle erfolgen!

Beikonsum anderer Substanzen

PatientInnen, die mit dem Beikonsum anderer Substanzen nicht selbstständig aufhören können, wird dringend geraten ihre Ärztin bzw. ihren Arzt oder eine Drogenberatungsstelle aufzusuchen. Beschwerden, wie z.B. Schlafstörungen, Depression oder Unruhezustände können gezielt behandelt werden. Es ist wichtig bei allen Arztbesuchen und Krankenhausaufenthalten die Suchtkrankheit, die Substitutionsbehandlung und das tatsächliche Konsumverhalten ehrlich anzugeben. Das gilt auch für alle Medikamente, die sonst noch eingenommen werden.

Gefahren des Beikonsums

Durch die gleichzeitige Einnahme von Substitutionsmedikamenten mit anderen Substanzen kann es zu einer unvorhersehbaren Wirkungsverstärkung kommen.

  • Beikonsum von anderen Opioiden: Der sporadische oder häufige Beikonsum von anderen Substitutionsmitteln oder Opiaten zusätzlich zur verordneten Dosis erhöht das Risiko tödlicher Zwischenfälle durch Überdosierung und Atemlähmung!
  • Beikonsum von Alkohol: Der gleichzeitige Konsum von Alkohol mit der Einnahme von Substitutionsmedikamenten erhöht die Gefahr von tödlichen Überdosierungen erheblich. Atemlähmung kann die Folge sein –
    dadurch besteht Lebensgefahr! Bei Alkoholabhängigkeit sollte eine Entwöhnungsbehandlung in Anspruch genommen werden.
  • Beikonsum von Benzodiazepinen: Sie dürfen grundsätzlich NICHT unkontrolliert mit Opiaten eingenommen werden – die Wirkung wird unkontrollierbar, die Gefahr einer tödlichen Atemlähmung steigt massiv an – dadurch besteht Lebensgefahr!
  • Beikonsum von Kokain: Die Gefahr einer Herz-Kreislaufschädigung ist dabei besonders hoch!

Gefahr für andere durch Weitergabe von Substitutionsmittel

Die Weitergabe von Substitutionsmedikamenten ist garantiert KEINE geeignete Hilfestellung für opiatabhängige Bekannte in Versorgungsengpässen. Andere Menschen werden dadurch bloß gefährdet!

Zuwiderhandeln gegen das Suchtmittelgesetz ist strafbar

Jede Form der unbefugten Weitergabe eines Substitutionsmittels, auch ohne Gewinnabsicht, ist strafbar. Neben den rechtlichen Konsequenzen droht immer das Risiko eines schweren Zwischenfalls mit Todesfolge!

Substitutionsmittel fragwürdiger Herkunft

Substitutionsmittel dürfen nur von ÄrztInnen verschrieben werden und unterliegen einer klar geregelten Abgabe. Inhalt oder Zusammensetzung von Substitutionsmitteln fragwürdiger Herkunft könnten verändert worden sein. Man geht dadurch unkalkulierbare Risiken ein!

Aufbewahrung

Substitutionsmittel müssen stets sicher vor dem Zugriff Unbefugter aufbewahrt werden. Das Substitutionsmittel darf keinesfalls für Kinder erreichbar sein.

Überdosierung – Was tun, wenn es zum Notfall kommt?

Im Zweifelsfall IMMER Hilfe holen und die Rettung rufen – 144! Wenn jemand nicht ansprechbar ist, d.h. auf kräftiges Zwicken in das Ohrläppchen nicht mehr reagiert, immer sofort Hilfe holen! Den „Rausch ausschlafen lassen“ ist die falsche Methode und kann lebensgefährdend sein! Hilfe ist auch angebracht, wenn es der bzw. dem Betroffenen schlecht geht oder sie bzw. er benommen oder bewusstlos ist. Die Informationen darüber was und wieviel die bzw. der Betroffene konsumiert hat ist für NotärztInnen oder SanitäterInnen sehr wichtig.

Erstellt von Dr. Renate Brosch, Psychiaterin, Wien