Durch soziale Interaktion Sucht überwinden

 

Soziale Interaktion kann bekanntlich psychische Leiden lindern. Das gilt auch für die Drogensucht. Was dabei im Gehirn passiert, haben Forscher der Medizinischen Universität Innsbruck im Tiermodell erforscht. Zentrales Ergebnis hierbei: Soziales Miteinander hilft. Ratten ziehen den Kontakt zu Artgenossen mittelfristig den Drogen vor.

„Ziel der Forschung ist es, den Effekt von sozialer Interaktion auf molekularer Ebene zu untersuchen, um drogenabhängige Menschen über den Weg der positiven sozialen Erfahrung weg von der Sucht zu führen“, erklärte Studienleiterin Rana El Rawas. Mittels der Tierexperimente wurde analysiert, was einerseits beim Drogenkonsum, andererseits bei sozialer Interaktion in bestimmten Bereichen des Gehirns passiert.

Dabei hat sich laut den Studienautoren gezeigt, dass beinahe die gleichen Hirnareale im Bereich des Belohnungssystems aktiviert werden. „Wir konnten auf verschiedenen Ebenen nachweisen, dass die Belohnung für soziale Interaktion eine Anti-Stress-Wirkung hat“, so El Rawas. Die Experimente haben laut den beteiligten Wissenschaftlern auch belegt, dass der Effekt von sozialen Begegnungen so stark sein kann, dass sogar das Suchtgedächtnis gelöscht werden konnte. Zuvor kokainabhängige Tiere bevorzugten in den Versuchen zunehmend Freunde statt Drogen, wenn sie vor die Wahl gestellt wurden.

So konnte bereits gezeigt werden, dass soziale Interaktion zahlreiche Stressmarker auf hormoneller, molekularer aber auch der Verhaltensebene reduziert. So werde zum Beispiel beim Spielen mit einem anderen Tier die Menge des Proteins p38, das bei Drogenkonsum, aber auch bei Stress oder Angst erhöht ist, massiv reduziert. „Außerdem konnten wir  nachweisen, dass soziale Interaktion, wenn sie als Alternative zur Droge angeboten wird, die erhöhte Präferenz für Kokain und Co. umkehren kann. Das Stresslevel der vormalig abhängigen Tiere sank auf das Niveau nichtsüchtiger Vergleichstiere“, erzählte die Forscherin.

Dieses Wissen könne neben der Entwicklung von effektiven Ansätzen in der Verhaltenstherapie auch neue Wege in der Entwicklung von Medikamenten gegen Sucht und andere psychische Erkrankungen eröffnen, meinte El Rawas. Die menschlichen Interaktionen müssen selbstverständlich in einem „drogenfreien“ sozialen Umfeld erfolgen, damit der langwierige Lernprozess einen nachhaltigen Erfolg bringt. Die Wissenschaftler weisen diesbezüglich auf eine bekannte Tatsache hin: „In Therapie befindliche Personen sollten sich langfristig in einem sozialem Umfeld bewegen, das nicht mit Drogen assoziiert wird.“

Quellen:
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/26300300
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/30726206