Höhere Suchtgefahr für behandlungsresistente Depressionspatienten

Depressive Menschen sind überdurchschnittlich suchtgefährdet. Das gilt noch mehr für Patienten mit einer behandlungsresistenten Depression, haben Forscher des schwedischen Karolinska Institutet (Solna) in einer Studie festgestellt.

Eine klinische Depression hat bekanntlich für den Betroffenen wie auch für die Gesellschaft meist erhebliche Konsequenzen. Antidepressiva sind hilfreich, aber nicht bei jedem Depressionspatienten wirken sie. Laut einer schwedischen Studie aus dem Jahr 2018 sprachen 13 Prozent der Betroffenen nicht auf Antidepressiva an.

Die Forscher wollten wissen, ob und inwieweit Menschen mit einer behandlungsresistenten Depression ein höheres Substanzsuchtrisiko aufweisen als Patienten mit anderer klinischer Depression. „Wir haben ein generell höheres Risiko für missbräuchlichen Substanzkonsum festgestellt. Das gilt sowohl für Personen mit als auch ohne ein Drogenabhängigkeitssyndrom in der Vorgeschichte“, fasst Erstautor Philip Brenner die Studienergebnisse zusammen.

Bei Patienten ohne Substanzabhängigkeitssyndrom in der Anamnese war das Risiko für Drogenmissbrauch bei einer behandlungsresistenten Depression im Jahr nach Beginn der Behandlung um 51 Prozent höher als bei anderen Depressionspatienten. Das höchste Risiko wurde für Opiat- (analgetische Opioide oder Heroin) und Beruhigungsmittelmissbrauch verzeichnet. Bei Patienten mit einer Drogenvorgeschichte betrug das Risikoplus 23 Prozent – mit einer erhöhten Anfälligkeit für Sedativa und Mehrfachsubstanzkonsum.

„Die Ergebnisse zeigen, dass Menschen mit einer behandlungsresistenten Depression rasch identifiziert werden müssen, um sie mit intensiven Alternativen zu therapieren und damit den Drogenmissbrauch so weit als möglich zu verhindern“, folgert Brenner. Er weist jedoch darauf hin, dass aufgrund des Studiendesigns keine Antwort auf die kausalen Zusammenhänge gegeben werden könne.

Quellen:
https://www.onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/add.14596