Höheres Psychoserisiko durch „starkes“ Cannabis

Sowohl die tägliche Einnahme von Cannabis als auch die regelmäßige Verwendung von hochpotentem Cannabis erhöhen das Risiko, eine Psychose zu entwickeln. Das gilt besonders für Städte wie Amsterdam und London, wo „Gras“ mit hohen THC-Wirkungsgraden vermehrt angeboten wird. Das sind die zentralen Ergebnisse einer Analyse von elf Großstadtregionen (ohne Wien) in Europa und Brasilien.

Die Forscher um Hauptautorin Marta Di Forti vom britischen King’s College London wollten wissen, inwieweit die Legalisierung und Entkriminalisierung von Cannabis in manchen Ländern mit einem erhöhten Risiko zur Entwicklung einer Psychose verbunden sind. Bisher war laut den Autoren nämlich unklar, wie Muster des Cannabiskonsums Einfluss auf die Psychose-Rate innerhalb der Bevölkerung haben.
Di Forti fasst zusammen: „Die Ergebnisse decken sich mit früheren Studien, die zeigen, dass der Konsum von Cannabis mit hoher THC-Konzentration (über 10 Prozent THC-Anteil) schädlicher für die psychische Gesundheit ist, als der von schwächeren Formen (unter 10 Prozent). Sie zeigen außerdem zum ersten Mal, wie Cannabiskonsum das Auftreten psychotischer Störungen auf Bevölkerungsniveau beeinflusst.“

Konkret stellten die Wissenschafter fest, dass der tägliche Cannabiskonsum häufiger bei Psychosepatienten (29,5 Prozent, 266 von 901) als in der Kontrollgruppe ohne Psychose (6,8 Prozent, 84 von 1.237) war. Ebenso griffen die „grasrauchenden“ Personen mit einer Psychoseepisode häufiger regelmäßig zu hochwirksamem Cannabis (37,1 zu 19,4 Prozent).
Außerdem zeigte sich, dass an allen elf untersuchten Orten die Menschen, die täglich Cannabis konsumierten, dreimal häufiger eine Diagnose einer Psychose bekamen als Personen, die noch nie Cannabis konsumiert hatten. Für den täglichen Gebrauch von hochwirksamem Cannabis stieg die Wahrscheinlichkeit auf das Fünffache. Die Autoren schätzen, dass einer von fünf neuen Fällen (20,4 Prozent) von Psychosen an den elf Standorten mit dem täglichen Cannabiskonsum in Verbindung gebracht werden kann und jeder zehnte (12,2 Prozent) mit hochpotentem Cannabis.

Besonders in Amsterdam und London, wo hochwirksames Cannabis leichter verfügbar ist, war der Konsum von „starkem Gras“ auch ein starker Indikator für psychotische Störungen. Für Amsterdam wurde beispielsweise geschätzt, dass vier von zehn neuen Psychosefällen mit täglichem Cannabiskonsum in Zusammenhang stehen, und fünf von zehn mit hochwirksamem Cannabis. Die entsprechenden Sätze liegen in London bei zwei von zehn und drei von zehn Fällen.
Die Forscher sind zudem der Meinung, wäre hochpotentes Cannabis nicht mehr verfügbar, würde die Inzidenz von Psychosen in Amsterdam voraussichtlich von 37,9 auf 18,8 Fälle pro 100.000 Einwohner pro Jahr abnehmen – in London von 45,7 auf 31,9.
„Da sich der rechtliche Status von Cannabis in vielen Ländern ändert, ist es für die öffentliche Gesundheit von zentraler Bedeutung, dass auch die potenziellen Nebenwirkungen berücksichtigt werden, die mit dem täglichen Gebrauch von Cannabis mit einem hohen THC-Anteil einhergehen“, erklärt Di Forti die Relevanz der Studie.

Quellen:
https://www.thelancet.com/journals/lanpsy/article/PIIS2215-0366(19)30048-3/fulltext