Kindliche Bindungsstörung: Hohes Risiko durch elterliche Drogensucht

 

Das Risiko für Kinder, mit einer reaktiven Bindungsstörung (Reactive Attachment Disorder, RAD) diagnostiziert zu werden, nimmt zu, wenn bei den Eltern eine  psychische Störung vorliegt. Besonders hoch ist es, wenn die Eltern oder ein Elternteil alkohol- oder drogenabhängig sind. Das haben finnische Forscherinnen und Forscher (Universität Turku) in einer Studie herausgefunden.

RAD ist eine Störung der sozialen Funktionen, bei der die Fähigkeit des Kindes, normale Beziehungen aufzubauen, beeinträchtigt wird. Sie ist hauptsächlich gekennzeichnet durch emotionale Labilität und Zurückgezogenheit, leichte Reizbarkeit sowie oberflächlich nicht erklärbaren Angstzuständen. Wird sie im Kindesalter nicht therapiert, wirkt sich das massiv auf die Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter aus.

Liegt nun bei beiden Elternteilen eine psychiatrische Diagnose vor, ist das RAD-Risiko der Kinder laut dem Forscherteam 51 Mal höher als bei Kindern, bei deren Eltern sich keine derartigen Indikationen zeigen.

Die häufigste Kombination von psychiatrischen Diagnosen bei Eltern mit Kindern mit RAD war, wenn bei Mutter und Vater Alkohol- oder Drogenmissbrauch attestiert wurde. Das traf laut der Studie auf 20 Prozent der analysierten 614 Kinder mit einer Bindungsstörung  zu. War nur der Vater alkohol- oder drogenabhängig, zeigten immerhin noch 17 Prozent eine Bindungsstörung.

„Verglichen mit früheren Ergebnissen bei anderen psychiatrischen Erkrankungen im Kindesalter, die mit Drogenmissbrauch assoziiert sind, ist der Zusammenhang bei reaktiven Bindungsstörungen ungewöhnlich hoch“, erklärt der Kinderpsychiater und Studienleiter Andre Sourander.

Seiner Meinung nach sollten die Ergebnisse bei der Planung von psychiatrischen Services berücksichtigt werden. Substanzmissbrauch und psychische Störungen der Eltern müssten während der Schwangerschaft aktiv untersucht werden. Auf Grundlage der vorliegenden Erkenntnisse wäre es außerdem angebracht, niedrigschwellige Behandlungsdienste zu entwickeln.

 

Quelle: https://link.springer.com/article/10.1007%2Fs10578-018-00861-6