Unterhaltungsbranche: Hohe Suchtquote unter Arbeitern

Menschen, die in der Unterhaltungsbranche arbeiten, sind Drogen oft zugetan: So lautet zumindest ein bekanntes Klischee, wenn man an das künstlerische Umfeld denkt. Doch es trifft laut spanischen Wisenschaftern auch auf das Bühnenpersonal zu. Laut einer Erhebung aus dem Jahr 2017 entfallen 17 Prozent des gesamten spanischen Konsums an psychoaktiven Substanzen auf dieses Segment.

In einer folgenden Befragung von 284 Bühnenarbeitern durch die spanische Universität in Castellón gaben immerhin 94,7 Prozent an, generell Alkohol zu trinken, beim Cannabiskonsum waren es immer noch 83,4 Prozent. Auch die Kombination der beiden Suchtmittel ist keine Seltenheit (66 Prozent).

Hoch waren auch die Zahlen bezüglich Suchtverhalten. Mehr als ein Drittel der Befragten zeigten einen gewohnheitsmäßigen Konsum. Wie zu erwarten fand sich der Spitzenwert beim Alkohol (36,6 Prozent). Cannabis lag aber nur wenig dahinter (35,2 Prozent). Regelmäßigen Kokaingebrauch gestanden dagegen nur 1,8 Prozent ein. Auffällig war laut den Wissenschaftern, dass Frauen häufiger Alkohol konsumieren als Männer. Bei Kokain verhält es sich anders herum.

Weit über Spaniens Durchschnitt
Dass das Suchtpotenzial für die Bühnenarbeiter sehr hoch liegt, zeigte auch ein Vergleich mit dem allgemeinen spanischen Durchschnitt. Demnach hatten 92 Prozent der Probanden im Monat vor der Befragung Alkohol konsumiert. Der spanische Durchschnitt liegt bei 25 Prozent. Bei Cannabis standen sich 74 und 7 Prozent gegenüber. Für Kokain griffen die Forscher auf Zahlen des spanischen Gesundheitsministeriums für das Jahr 2015 zurück, die eine deutliche Sprache sprechen: 28:1 lautete das Verhältnis. Erschreckend fanden die Studienautoren das geringe Risikobewusstsein. Lediglich 15 Arbeiter gaben an, in den letzten drei Monaten keine der drei Substanzen konsumiert zu haben.

Gleichzeitig stellten die Wissenschafter einen Zusammenhang zwischen Drogenkonsum und Arbeitsbedingungen fest. Die Jobsituation ist laut den Angaben geprägt von langen Arbeitstagen, körperlich schweren Tätigkeiten und vielen Wechsel zwischen Tag- und Nachtschichten. So stehen die Bühnenarbeiter ihrem Beruf um 30 Prozent negativer gegenüber als der Durchschnittsspanier.

Intervention fruchtet
Basierend auf der Erhebung wurde schließlich ein Interventionsprogramm, an dem 50 Personen teilnahmen, erarbeitet. Das Programm beinhaltete eine Gruppentherapie (je 10 Personen), um die Akzeptanz der Sucht zu erreichen. Außerdem sollten die Probanden auf künftige Risikosituationen mittels Motivationsstrategien eingestellt werden. Studieninitiatorin und Hauptautorin Isabel Almodovar fasst die Ergebnisse zusammen: „Vor der Intervention gaben 60 Prozent der Teilnehmer an, keine gesundheitlichen Probleme zu haben. Danach waren es nur noch 36 Prozent. 88 Prozent sagten vor der Therapie, sie hätten kein Suchtproblem, danach waren es nur noch 12 Prozent. Zahlen wie diese belegen die Notwendigkeit von Maßnahmen bei Bühnenarbeitern hinsichtlich der Suchtgefahr. Werden sie sich ihrer eingeschränkten Lebensqualität durch den Drogeneinsatz bewusst, steigt auch ihre Motivation, ihr Verhalten zu ändern.“

Quellen: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/inm.12620; International Journal of Mental Health Nursing