Was Angehörige von Suchtkranken aufrecht hält

 

Angehörige von Menschen mit Alkohol- oder Drogenproblemen sind bekanntlich sehr hohen physischen und vor allem psychischen Herausforderungen ausgesetzt. Kein Wunder also, dass sie selbst die eigene Lebensqualität schlechter einstufen als die Gesamtbevölkerung.

Das hat eine Studie der deutschen Universität Hildesheim bestätigt. Außerdem haben die Forscher erhoben, wie es um die psychische Widerstandsfähigkeit (Resilienz) von Sucht-Angehörigen bestellt ist. Dabei zeigten die Personen die höchste Resilienz, die meinen, selbst etwas bewirken zu können. Daher bleiben sie auch in schwierigen Situationen weiter handlungsfähig. Die Wissenschaft spricht in diesem Zusammenhang von der Selbstwirksamkeitserwartung. Solche Menschen beurteilten auch ihre Lebensqualität optimistischer als andere Angehörige von Suchtkranken.

Kaum einen Schluss auf die Widerstandsfähigkeit der 221 Probanden der Studie konnte aus Faktoren wie Schulbildung oder Zufriedenheit mit den diversen öffentlichen oder privaten Unterstützungssystemen gezogen werden. Kommt aber positive emotionale Zuwendung aus dem eigenen privaten Umfeld, wirkt sich das gut auf die Beurteilung der eigenen Lebensqualität aus. Freunde und Kollegen können also niedrigschwellig (ohne finanziellen oder materiellen Aufwand) stark dazu beitragen, dass Angehörige von suchtkranken Menschen nicht den Mut verlieren. „Empathie zahlt sich allemal aus“, fassen die Forscher zusammen.

Erhöhte Depressionsrate

Eine schweizerische Erhebung wiederum hat ergeben, dass Angehörige von Drogenabhängigen mehr und bessere Unterstützung brauchen – zumindest in der Schweiz. Zu diesem Schluss kommen die Forscher, da zum Zeitpunkt der Erhebung über 27 Prozent der befragten Angehörigen die Kriterien einer klinisch relevanten Depression erfüllten. Das liegt laut den Autoren deutlich über der erwarteten 12-Monatsprävalenz von sieben Prozent in der Schweizer Bevölkerung. Dabei spielen insbesondere die Bewältigungsstrategien eine wichtige Rolle. So zeigte sich,wenig überraschend, dass vor allem negative Bewältigungsstrategien, die das Stresserleben anschieben, mit einer höheren Depressionsanfälligkeit assoziiert sind. Positive Bewältigungsstrategien, die den Stress reduzieren, scheinen dagegen aber keine protektive Wirkung zu haben.

Quellen:
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-119596
https://www.thieme-connect.de/products/ejournals/abstract/10.1055/s-0043-118648