Was die Droge im Hirn macht

 

Was beim Drogenkonsum im Gehirn abläuft, wird im Zusammenhang mit Abhängigkeitserkrankungen immer wieder hinterfragt. Forscherinnen und Forscher der Universität Genf (UNIGE) haben jetzt in Mausversuchen festgestellt, dass der Gehirnkreislauf, der den Entscheidungsbereich mit dem Belohnungssystem verbindet, bei süchtigen stärker ausgeprägt ist als bei nicht abhängigen Tieren. Außerdem fanden sie heraus, dass man durch einen Eingriff in das angesprochene Gehirnsystem die Zwanghaftigkeit aufheben kann.

Bekanntlich entwickelt sich eine Sucht in Schritten. Nach einem ersten Kontakt folgt meist die Phase, wo die Droge kontrolliert eingesetzt wird. Zu einem letztlich zwanghaften Verhalten kommt es laut einigen klinischen Schätzungen bei einer von fünf Personen. Das war der Ausgangspunkt der Studie. „Wir wissen immer noch nicht, warum eine Person drogenabhängig wird eine andere jedoch nicht“, erklärt dazu Studienleiter Christian Lüscher. „In dieser Arbeit konnten wir zumindest Unterschiede in der Gehirnfunktion identifizieren.“

Das Forscherteam ermöglichte den Tieren in den Versuchen, das Belohnungssystem an der Spitze des Hirnstamms mit einem Hebel selbst zu aktivieren. Die angesteuerten Zellen werden auch bei der Einnahme von Suchtmitteln aktiviert und verstärken das Verlangen.

„Mittels eines schwachen Elektroschocks konnten wir dann beobachten, welche Mäuse mit der Selbststimulation fortfahren“, erzählt Hauptautor Vincent Pascoli. Damit konnten die Tiere herausgefiltert werden, die ein zwanghaftes Verhalten entwickelt hatten. 40 Prozent der Mäuse aktivierten den Hebel nicht mehr, nachdem sie „bestraft“ wurden. 60 Prozent fuhren trotz der negativen Konsequenzen mit der Stimulation fort.

Abläufe sichtbar gemacht
Mit einer optischen Technologie wurden schließlich die Abläufe in den Mausgehirnen sichtbar gemacht. Das hat laut den Studienverantwortlichen bei den süchtigen Tieren eine stärkere Aktivität des Gehirnkreislaufs, der den Entscheidungsbereich mit dem Belohnungssystem verbindet, gezeigt als bei denjenigen, die die Kontrolle behalten haben.

Diese „Suchtschaltung“ kann aber von außen reguliert werden. Der Nachweis gelang dem Wissenschafterteam, indem sie bei einem „kontrollierten Tier“ die Stimulation des Hirnsystems für das zwanghafte Verhalten erhöhten. Die Maus entwickelte rasch ein unkontrolliertes Suchtverhalten, indem es den Hebel trotz Elektroschocks weiter bediente. Das funktioniert aber auch in die andere Richtung. „Als wir die Aktivität der Schaltung in einer süchtigen Maus reduzierten, hörte sie auf, den Hebel zu betätigen“, so Pascoli.

In Anbetracht dessen, dass die Versuchstiere alle genetisch identisch waren, stellt sich für die Wissenschafterinnen und Wissenschafter die Frage, warum die Gehirnaktivitäten nicht bei allen gleich waren. „Das ist die Frage, die wir in unseren zukünftigen Forschungen beantworten wollen“, erklärt Lüscher.

„Dank dieser Ergebnisse wissen wir aber, welche Schaltung die Sucht verursacht. Dadurch wird es einfacher, herauszufinden, was die Unterbrechung der Schaltung verursacht “, fasst Pascoli zusammen.

 

Quelle: https://www.nature.com/articles/s41586-018-0789-4